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Die Welt 21.5.07: Reykjavik.de

Von Peter Krause


Komponisten schwimmen in ihrem Element


Ein "Klangnetz" von Deutschland nach Island zu spannen, hat sich der Verein gleichen
Namens vorgenommen. Ganze sieben neue Werke junger Komponisten beider Länder
sind dabei jüngst ins Netz gegangen. Die Ergebnisse dieser Musikfischerei waren am
Freitag im Studio E der Laeiszhalle zu hören. Das isländisch-deutsche Ensemble "adapter"
hat die feuchten Noten getrocknet und in exquisiter farblicher Feinzeichnung dafür gesorgt,
dass wirklich keine Nuance der atmosphärisch dichten Musik verwässerte.
Passenderweise waren alle Fundstücke für Flöte, Klarinette, Harfe, Klavier und Percussion
komponiert, Instrumente, die "adapter" wahrlich mit überzeugungskräftig ambitionierten
Musikern zu besetzen weiß.

Asmus Trautsch, in Kiel gebürtiger Komponist und Jungphilosoph, eröffnete den Abend mit
einem durch ein Gedicht des isländischen Dichters Hannes Sigfússons inspirierten Werk:
"Mitt Mál" (Meine Sache) spielt mit seinen trockenen Staccatoschlägen und magisch
verschwimmenden Strukturen dezidiert mit dem Element Wasser. Sein isländischer Kollege
Davíð Brynjar Franzson bringt in "The Rules of Irrelevance" dagegen eher den gefrorenen
Aggregatzustand des Urstoffs zum Klingen: knarrende, fauchende, berstende Eisschollen
schienen die eigentümlich quietschenden Instrumente zu imitieren. Das denkbar knapp mit
"A" überschriebene Opus von Ingi Gardar Erlendsson entfesselte eine rhythmusfreudige,
gestisch gewitzte Sogkraft, wohingegen Atli Ingólfsson in "The Blessings of Madness" auf
vertrautere, dabei nicht minder berührende motivische Elemente setzte.
Während Sebastian Elikowski-Winkler sich in "Auf ausgetretenen Pfaden" auf gefestigtem
Terrain in einem zwischen Sirenenheulen und Flüstern changierenden Werk bewegt, erzeugt
Yoav Pasovsky in "Knatim" einen gänsehautfördernden Klangfluss irisierender Verästelungen.
Reiche Beute.